Arzneimittelbewertungen

Kosten-Nutzen-Bewertungen von Medikamenten haben nur dann einen Effekt auf die Arzneimittelausgaben, wenn sie in ein sinnvolles Gesamtkonzept eingebettet sind. Das zeigt eine Studie des "Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen" (WINEG).

Die Experten haben untersucht, wie sich negative Empfehlungen des "National Institute for Clinical Excellence" (NICE) auf die Medikamentenausgaben in England ausgewirkt haben. Das Fazit: Bei 20 von 21 Wirkstoffen (95 Prozent) zeigte sich kein bedeutsamer Rückgang bei Verschreibungen und Ausgaben. Zurückzuführen ist dies den WINEG-Experten zufolge darauf, dass die Bewertungen relativ allein stehen und nicht in ein übergreifendes Konzept eingebettet sind. Zum Beispiel stünden sie den Ärzten zum Zeitpunkt der Verordnung nicht automatisch zur Verfügung, und sie seien kein verbindlicher Bestandteil unabhängiger Fortbildungen.

Wichtig sind die Studienergebnisse besonders vor dem Hintergrund, dass nach dem Vorbild von NICE das deutsche "Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen" (IQWiG) geschaffen wurde; es soll - so der Auftrag durch die jüngste Gesundheitsreform - hierzulande ebenfalls Kosten-Nutzen-Bewertungen von Arzneimitteln durchführen.

Professor Dr. Norbert Klusen, Vorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkasse (TK), zum Ergebnis der Studie: "Kosten-Nutzen-Bewertungen sind wichtig, um die Diskussion über evidenzbasierte Medizin in Deutschland voranzutreiben - auch wenn dies nicht sofort zu Ausgabensenkungen führt. Es kommt zuvorderst darauf an, dass das Geld für die richtigen Arzneimittel ausgegeben wird."

Dr. Eva Susanne Dietrich, die Direktorin des WINEG, schlussfolgert: "Es ist wichtig, dass die Ergebnisse von Kosten-Nutzen-Bewertungen als sinnvolle Entscheidungsgrundlage von den Beteiligten akzeptiert werden. Dabei gilt es, auch die Versorgungsqualität und die Präferenzen der Patienten zu berücksichtigen. Nur so können die Bewertungen in die tägliche ärztliche Praxis einfließen."

Auch wenn die Ergebnisse wegen der Unterschiedlichkeit der Gesundheitssysteme nicht 1:1 auf Deutschland über-tragbar seien, ließen sich aus dem Beispiel Großbritannien wichtige Schlüsse ziehen. Dietrich nannte mehrere Aspekte, auf die es ankomme: "Ein Ansatz könnte sein, in unabhängigen Fortbildungen über die Arzneimittelbewertungen zu informieren. Die Ergebnisse der Bewertungen in die Arztpraxissoftware einzubinden, ist ebenfalls erfolgversprechend, denn dann stünden dem Arzt wichtige Informationen direkt zum Zeitpunkt der Verschreibung zur Verfügung. Positive Anreize sollten dabei Vorrang haben vor negativen Sanktionen, um die Akzeptanz bei den Ärzten zu fördern. Und: Eine einseitige Einflussnahme der pharmazeutischen Industrie muss verhindert werden."

Privatdozent Dr. Peter Kolominsky-Rabas, Ressortleiter Gesundheitsökonomie des IQWiG, begrüßte die WINEG-Studie: "Untersuchungen wie diese sind wichtig, um die wissenschaftliche Diskussion über Kosten-Nutzen-Bewertungen nach vorn zu treiben und ihre Wirkungen auf die tägliche Praxis der Patientenversorgung auf solider Datengrundlage zu bewerten."

Die Zusammenfassung der Studie sowie das Datenblatt stehen unter www.wineg.de zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Quelle: TK

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