Wenn Langeweile krank macht

"Ich fühle mich körperlich und seelisch erschöpft und komme morgens extrem schwer in die Gänge. Kein Wunder - wenn man genau weiß, dass man an dem Tag nichts Sinnvolles und Interessantes zu tun haben wird", schreibt eine Sekretärin in dem Online-Forum "Diagnose Boreout". Fast neun von zehn Angestellten in Deutschland sind laut einer Umfrage des Gallup-Instituts in ihrem Job nicht engagiert, zwei von zehn haben sogar schon innerlich gekündigt. Schuld ist meist kein übermäßiger Stress, sondern genau das Gegenteil: Unterforderung und endlose Langeweile.

"Stress ist nicht gleich negativ, richtig dosiert steigert er sogar die Leistungsfähigkeit. Jede körperliche oder geistige Anstrengung, jede Problemlösung benötigt eine gewisse Stressenergie, und berufliche Herausforderungen können richtig beflügeln", sagt Inga Margraf, Diplompsychologin bei der TK. Und: Stress im Job gehört praktisch zum guten Ton und signalisiert, dass man begehrt und gefragt ist. Bleibt die positive Stressenergie aus, und damit auch das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben und dafür wertgeschätzt zu werden, kann dies in einen Teufelskreis führen. "Aus Angst vor Entdeckung verstecken unterforderte Arbeitnehmer ihr Nichtstun oft mit großem Aufwand", sagt Margraf.

Die Folge sind Boreout-Symptome, die denen eines Burnouts durchaus ähneln: Betroffene tun den ganzen Tag beschäftigt, stöhnen über die viele Arbeit, kommen früh ins Büro und gehen als Letzte. "Ihr oberstes Ziel ist, dass bloß niemand merkt, dass sie eigentlich nichts zu tun haben und sich den ganzen Tag furchtbar langweilen - nicht zuletzt oft aus Angst um ihren Job", sagt Margraf. So entsteht tatsächlich Stress und die Stimmung sinkt immer weiter. "Vor allem habe ich kaum noch Selbstwertgefühl, weil ich nichts mehr kann oder zumindest das Gefühl habe, nichts mehr zu können", beschreibt eine andere Betroffene ihre Lage im Forum.

"Wer einen Weg aus der Boreout-Falle sucht, sollte zunächst für sich selbst ehrlich dokumentieren, womit er seine Arbeitstage verbringt", rät Margraf. Wie viel ist tatsächlich Scheinarbeit? Was ist besonders langweilig? Und was macht Spaß? "Um Boreout zu überwinden, hilft nur Eigeninitiative", ist die Psychologin überzeugt. So sollte man im ersten Schritt überlegen, wie man seine Arbeit selbst interessanter gestalten könnte und im Gespräch mit Kollegen und dem Chef neue Ideen einbringen.

"Kann sich ein Betroffener gar nicht mehr motivieren, Energie in seinen Job zu stecken, ist es Zeit für klare Worte zum Vorgesetzten, um die Arbeitssituation zu ändern, oder für eine berufliche Umorientierung", sagt Margraf. Eine Bewerbung auf eine andere Stelle im Unternehmen, eine Weiterbildung auf einem interessanten Fachgebiet - mit der Perspektive, sich danach in eine andere Firma oder gar Branche zu bewerben - oder der Weg in die Selbstständigkeit können Ansätze für eine Veränderung sein. "Wichtig ist zudem, sich einen geistig fordernden Ausgleich in der Freizeit zu suchen, denn auch für den Kopf gilt: Wer rastet, der rostet", sagt die Psychologin.

Quelle: TK

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