Partikeltherapie bei Krebserkrankungen

Versicherte der Angestellten-Krankenkassen (DAK, TK, KKH, HEK, Hamburg Münchener, hkk) können sich künftig bei bestimmten schweren Krebserkrankungen am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel mit Protonen und Schwerionen bestrahlen lassen. Bis zum Jahre 2011 soll das Partikeltherapiezentrum errichtet werden, in dem die Patienten behandelt werden können. Dies wird in einem Vertrag zwischen dem Verband der Angestellten-Krankenkassen e. V. (VdAK) mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein geregelt, der in Kürze unterzeichnet wird. Dr. Werner Gerdelmann, Vorstandsvorsitzender des VdAK, betonte, mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein hätten die Ersatzkassen neben dem Universitätsklinikum Essen und dem Universitätsklinikum Heidelberg einen weiteren Partner gefunden, der den hohen Qualitätsanforderungen gerecht werde, aber zugleich eine wirtschaftliche Versorgung der Versicherten garantiere.

Prof. Bernd Kremer, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, erklärte, mit der Partikeltherapie weite das Universitätsklinikum sein Spektrum in der Therapie onkologischer Patienten aus. "Die Behandlung mitProtonen und Schwerionen kann zielgenauer und schonender erfolgen und sie kann mit höherer Dosis als die bisherige konventionelle Bestrahlung mittels Photonen angewandt werden." Die Partikeltherapie stelle aus heutiger Sicht für einzelne Indikationen, wie zum Beispiel bei Schädelbasistumoren, Lungenkarzinomen und bei bestimmten kindlichen Tumoren, eine effektivere Behandlungsform dar. Bei anderen Krebsarten muss die Partikeltherapie jedoch ihre mögliche Überlegenheit gegenüber der herkömmlichen Bestrahlung noch in Studien beweisen.

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und die Ersatzkassen haben daher gemeinsam festgelegt, welche Krankheiten sich zur Behandlung eignen. "Dabei ist die Behandlung von bestimmten Voraussetzungen abhängig, insbesondere dem Stadium der Krebserkrankungen sowie der Größe und Lokalisation des Tumors", so Kremer. Die Wirksamkeit der Versorgung werde im Rahmen begleitender wissenschaftlicher Studien überprüft, um damit dauerhaft die hohe Qualität der Versorgung zu gewährleisten und neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. Zudem werde ein wissenschaftlicher Beirat eingerichtet, der auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse über die Weiterentwicklung des Indikationsspektrums entscheidet.

"Unser Ziel ist es, die aufwändige Therapieform der Bestrahlung mit Protonen und Schwerionen den Patienten zukommen zu lassen, die davon wirklich profitieren. Dafür haben wir mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein einen Partner gefunden, der vernünftige Medizin in den Mittelpunkt seines Handelns stellt und nicht von rein kommerziellen Interessen geleitet ist", betonte Gerdelmann. Auch Günter Zwilling, kaufmännischer Vorstand des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, begrüßte das Verhandlungsergebnis: "Jetzt haben wir eine Grundlage für eine effiziente Patientenversorgung geschaffen". Die alleinige strahlentherapeutische Behandlung von Patienten mit Partikeln wird mit 19.500 Euro je Patient bei einer durchschnittlichen Zahl von 20 Bestrahlungen vergütet. Die Behandlung eines Patienten mit Partikeln in Kombination mit konventioneller Strahlentherapie wird mit 10.000 Euro je Patient bei einer durchschnittlichen Zahl von 5 Bestrahlungen vergütet. "Damit entspricht der Preis sowohl den Wirtschaftlichkeitsanforderungen der Krankenkassen und wird auch dem sich ergebenden Kostenrahmen des Universitätsklinikums gerecht", so Zwilling.

"Damit ist aber auch klargestellt, dass die Partikeltherapie nicht geeignet ist, um übertriebene Renditeerwartungen zu erfüllen", bemerkte Gerdelmann. Der Vorstandsvorsitzende erteilte deshalb all den Investorenaktivitäten eine deutliche Absage, die Deutschland mit einem dichten Netz von Protonenanlagen überziehen wollen: "In Deutschland werden maximal noch zwei Standorte einen Vertrag von den Ersatzkassen erhalten. Mit den insgesamt 5 (ggf. aber auch 6) Einrichtungen können die für die Therapie in Frage kommenden Patienten versorgt werden."

Quelle: Verband der Angestellten-Krankenkassen e. V.

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