Integrierte Versorgung gegen Migräne

Mehr Lebensqualität für Menschen mit Migräne: Das wollen die Essener Krankenkasse ktpBKK und das Westdeutsche Kopfschmerzzentrum an der Klinik für Neurologie der Uni-Klinik Essen mit einem neuen Vertrag über integrierte Versorgung bei chronischem Kopfschmerz erreichen. Betroffenen Patienten bieten das Kopfschmerzzentrum und zahlreichen niedergelassene Neurologen eine Therapie.

"Kopfschmerzpatienten werden von ihrer Umgebung oft nicht ernst genug genommen", erläutert Reiner Geisler, Vorsitzender der ktpBKK, "um so wichtiger ist es, dass wir als Solidargemeinschaft sagen: Man muss Ihnen helfen, man kann Ihnen helfen, und wir werden Ihnen helfen."

"Am Westdeutschen Kopfschmerzzentrum", erklärt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener, Chefarzt der Klinik für Neurologie der Uni-Klinik Essen, "bekommen die Patienten eine sehr gründliche Diagnose und eine meist einwöchige Tagesklinik-Therapie auf Grundlage der neuesten Erkenntnisse, bevor wir sie an sorgfältig ausgewählte Schmerztherapeuten überweisen. Diese modulare Therapie verändert das Verhältnis der Menschen zu ihrer Krankheit: Sie wird von einer unberechenbaren Bedrohung zu einer beherrschbaren Einschränkung, die ein weit-gehend normales Leben nicht länger verhindern muss."

Menschen mit Migräne haben eine ungewöhnliche Krankheit. Sie haben ein Gehirn, das ständig mit Vollgas fährt und dafür, wenn der Tank leer ist, die Notbremse zieht - und ein Anfall zieht die Betroffenen aus dem Verkehr. Das ist angeboren und nicht zu ändern. Aber mit dem richtigen Management können sie die Häufigkeit der Anfälle verringern und ihre Lebensqualität deutlich verbessern.

"Typische Migränepatienten erledigen ohne Probleme mehrere Aufgaben gleichzeitig und kommen im Allgemeinen sehr gut mit Stress zurecht", erläutert Dr. Günther Fritsche, Psychologe am Westdeutschen Kopfschmerzzentrum, "aber weder starke Belastungsschwankungen noch ein allzu voller Tag bekommen ihnen gut. Wer Migräne hat, sollte seinen Alltag gut strukturieren und Pausen einlegen, bevor er durch die Attacke eine Zwangspause bekommt. Neben einer regelmäßigen Lebensführung brauchen Migräne-Patienten ein Entspannungstraining und sollten mindestens zweimal pro Woche Ausdauersport betreiben. Das kann unter Anderem den Unterschied ausmachen zwischen zwei Anfällen pro Monat, mit denen man leben kann, und sieben oder acht Anfällen, mit denen ein normales Leben nicht mehr möglich ist."

"Die Schmerzen bei einer Migräneattacke bekommt man mit Medikamenten schnell in den Griff", sagt die Neurologin Dr. Astrid Gendolla, Leiterin des Kopfschmerzzentrums, "nach einer halben Stunde sind sie fast weg. Aber wer nur mit Schmerzmitteln arbeitet, bei dem wird die Migräne immer schlimmer, und ab einer bestimmten Schmerzmittelmenge verursachen die Medikamente selbst Kopfschmerzen - die wird man so leicht nicht mehr los."

Die integrierte Versorgung "Kopfschmerz", in deren Zentrum das Westdeutsche Kopfschmerzzentrum steht, durchbricht diesen Teufelskreis. "Wir betreuen die Menschen, die zu uns kommen, in drei Modulen", erläutert Dr. Astrid Gendolla: "Zunächst nehmen wir uns viel Zeit für eine umfassende Diagnose. Nach einem ärztlichen Gespräch, einer schmerzpsychologischen Untersuchung und einer physiotherapeutischen Untersuchung stimmen wir drei Diagnostiker uns ab, um den Patienten gleich auf die richtige Schiene zu setzen."

Die meisten Patientinnen und Patienten - Migräne ist durchaus keine typische Frauenkrankheit - kommen danach für eine Woche täglich in die Tagesklinik des Kopfschmerzzentrums und erlernen in Einzelgesprächen, Gruppensitzungen und Trainingseinheiten den richtigen Umgang mit ihrer Migräne. Für viele von ihnen ist schon allein die Begegnung mit anderen Betroffenen eine Erleichterung. "Menschen, die seit 40 Jahren unter Kopfschmerz leiden", berichtet Dr. Gendolla, erkennen auf einmal, dass es anderen genauso geht."

Nach dieser Woche in der Tagesklinik überweist das Kopfschmerzzentrum die Patienten an einen von ungefähr sechzig niedergelassenen Neurologen und Schmerztherapeuten, der die Behandlung fortsetzt. Ein kleinerer Teil der Patienten geht diesen Weg direkt nach der Diagnose, ohne die Tagesklinik in Anspruch zu nehmen. Und eine sehr kleine Gruppe von Patienten wird nach der Diagnose stationär aufgenommen.

Die niedergelassenen Ärzte, die mit dem Kopfschmerzzentrum zusammenarbeiten, müssen strenge Anforderungen an Kompetenz und Weiterbildungsintensität erfüllen. Normalerweise untersuchen sie die Patienten alle drei Monate; nach einem Jahr sind sie dann so weit, dass sie mit ihrer Erkrankung selbständig zurechtkommen. "Unser Ziel ist es, alle Patienten wieder am Leben teilhaben zu lassen, in Beruf und Familie", sagt Dr. Gendolla, "und bei den meisten Migränepatienten gelingt das."

Quelle: ktpBKK

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