Ende der Wucherpreise bei Krebsmedikamenten gefordert

Ein Ende der Wucherpreise bei neuartigen Krebsmedikamenten fordert KKH-Chef Ingo Kailuweit. Preissteigerungen um deutlich über eine Milliarde Euro bei Krebsmitteln im Markt der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von 2003 bis 2007 seien nicht nur völlig inakzeptabel. Sie entwickelten sich langfristig zu einem Sprengsatz für die soziale GKV, wenn nicht entschlossen gegengesteuert werde. Kailuweit bezieht sich dabei in der heutigen ARD-Sendung Report Mainz auf KKH-Berechnungen, nach denen sich die Ausgaben für hochpreisige Krebsmittel GKV-weit in wenigen Jahren vervielfacht haben.

Kailuweit dazu in einer Presseerklärung: „Wenn multinational operierende Pharmahersteller die liberale Situation in Deutschland ausnutzen, um Jahr für Jahr exorbitante Preissteigerungen zu Lasten von Millionen Beitragszahlern durchzusetzen, so ist der Gesetzgeber gefordert.“ Es gelte jetzt, derartige Wucherpreise umgehend zu verhindern, um die soziale Krankenversicherung nicht zusätzlich finanziell zu belasten. Andere Länder wie Frankreich, Großbritannien und Schweden machten vor, wie Preisexplosionen im Pharmabereich durch eine stärkere staatliche Regulierung verhindert werden können.

Der Vorstandsvorsitzende fordert mehr Tempo bei der Einführung einer qualifizierten Nutzenbewertung neuer Arzneimittel und eine Beteiligung der GKV bei der Pharmaka-Preisbildung durch die Unternehmen. Kailuweit: „Niemand will Preisdiktate, niemand will das Engagement in der Forschung schmälern.“ Die Perspektive des jeweiligen Herstellers werde in den Preisbildungsprozess einzubeziehen sein. Aber noch immer gebe die Pharmaindustrie hohe Milliardenbeträge für bloße Marketingbemühungen aus. „Hier muss ein Umdenken zugunsten kreativer Anstrengungen für neue und wirklich bessere Arzneimittel einsetzen.“ Die in der Vergangenheit auch in Deutschland vereinzelt verfügten Preismoratorien  durch den Gesetzgeber hätten nur kurze Atempausen verschafft. Notwendig sei nach Auffassung der Kaufmännischen eine umfassende Strategie der Kostenbeherrschung insbesondere im Hinblick auf Krankheiten wie Aids, Krebs, Diabetes und Multiple Sklerose.

Das in Deutschland geltende Festbetragssystem mit seinen Erstattungshöchstgrenzen für Medikamente mit abgelaufenem Patentschutz reiche bei weitem nicht aus, so Kailuweit an die Adresse der Bundesregierung.

Für die weitere Sozialgesetzgebung verlangt der KKH-Vorstandschef eine praktikable Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln als Voraussetzung einer Kostenübernahme durch die Kassen, die weitere Substitution von Scheininnovationen durch preiswerte Nachahmerprodukte (Generika) und den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für alle Arzneimittel. Eine neutrale, von Industrieeinflüssen freie Praxissoftware der Ärzte müsse zwingend vorgeschrieben, ein Verbot von Umsatzbeteiligungen ausgesprochen werden. Ärztemuster sollten nach Auffassung Kailuweits nicht mehr abgegeben werden dürfen. Weiter plädiert die Kaufmännische für eine Gleichstellung von öffentlichen und Krankenhaus-Apotheken, um Marketingaktivitäten der Industrie zurückzudrängen.

Quelle: KKH - Die Kaufmännische

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